Pressestimmen

Karsten Witte, Frankfurter Rundschau

 

Der Titel legt die Karten auf den Tisch. Es geht um ein Spiel, in dem eine Figur mit Methode und Medium verstrickt wird. So beginnt keine Geschichte, wie sie das 'Leben' erzählt, das im Film gerne behauptet, ungeschönt in den Alltag zu greifen und Rohstoff auf die Leinwand zu bringen. So beginnt eine Geschichte der Kunstfertigkeit, die sich in jedem Augenblick bewußt ist, daß sie einen 'Film' erzählt. Nicht die Geschichte ist hier der Rohstoff, sondern Ton und Bild. Ottingers Filme sind Ausdruck des Prekären im Maße, wie sie immer auch ihre Kunstfertigkeit betonen. Bei Fritz Lang war Mabuse ein Mann, ein Falschspieler, ein Falschgeldproduzent. Bei Ulrike Ottinger mutiert Mabuse zur Frau und Bewußtseinsproduzentin, die nichts als den Schein in Umlauf bringt und am Ende sich mit der Phantasmagorie der vollkommenen Herrschaft über ihr Medienprodukt Dorian Gray betrügt. Eine Gefangene des eigenen Wahns, ein Opfer technisch angezettelter Gefühle, die nicht länger dauern als es braucht, ein Fernsehbild abzutasten. Die Meisterin wird Opfer ihres Meisterschülers, und der Meisterschüler avanciert zum Meister des Medienkonzerns […]

 

 

Frieda Grafe, Süddeutsche Zeitung, 19./20.5.1984

 

In Ulrike Ottingers mixed media show, in der jedes Bild an irgendwelche anderen erinnert, erscheint vergangene Erzählkultur wie auf einer riesigen Abfallhalde zusammengekarrt. Und man versteht: Es ist das Werk der Massenmedien. Auch hier findet Frau Dr. Mabuse das richtige Wort, sie sagt: erlesen vulgär. Die Boulevardpresse als Zerrspiegel ist der reine Vorwand. Die Form von Kritik, die sich in moralischer Empörung äußert, gehört zu der Art von Kino, von der dieser Film sich absetzt [...] Der Film entwirft eine ganz andere Schreckensvision: daß durch die Massenmedien die ldentifikationskanäle immer enger und restriktiver werden, weil man dem Zuschauer aus Berechnung zu sehr entgegenkommt und alles Andere, ihm Fremde, nur mit Anstrengung Verständliche wegfallen muss. Ein vom Wind gebauschter Vorhang tut sich auf vor einer Opernhandlung, die in realer exotischer Natur spielt. Die Handlung wird dadurch um nichts realer. Wohl aber wird die Natur ein Stück Konserve, ein hybrides Bild, das anhält, über die Natur von Schauspiel nachzudenken. 

 

 

Ulrich Greiner, DIE ZEIT, 24.2.1984

 

Der bemerkenswerteste Film, den ich bislang (Filmfestspiele Berlin) sah […] Eine monströse, manchmal anstrengende, immer eigenwillig-phantastische Bilderrevue […] Von Versuchung zu Versuchung, vom Taumel zum Schrecken. Zwischendurch öffnet sich ein Vorhang, und wir blicken auf eine bizarre Felsenküste, wo eine seltsame Oper gespielt wird (Musik Peer Raben). 

Ein Film anders als andere. 

 

 

Gertrud Koch, EMMA, April 1984

 

Einfälle, Phantasien, oft witzige, satirische Spielereien mit kinematographischen und ikonographischen Traditionen und Vorbildern, die durch einen losen Handlungsfaden zu einer Collage zusammengefügt werden: ein Geflecht aus Zitaten und Querverweisen, aus unermüdlich erfinderischen Einfällen, ein Kaleidoskop, das aus denselben Bestandteilen immer wieder andere Muster hervorbringt [...] Das Kino der Ulrike Ottinger ist ein Kino der Attraktionen im genauen Sinn des Wortes:

Attraktionen ziehen an, stoßen ab, verblüffen, machen staunen. Attraktionen haben einen Ausstellungswert, aber kein Aneignungsinteresse. Sie wollen gesehen, aber nicht besessen werden.

So erzählt der Film […] von der kalten Ekstase der Attraktion und der Verletzbarkeit der Gefühle.