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Pressestimmen

Renate Möhrmann, DIE FRAU MIT DER KAMERA, München 1980

 

Leitmotiv des LAOKOON-Films ist die Metamorphose. Doch nicht nur die der Esmeralda del Rio. 'Bestimmte Bilder kommen in bestimmten Abständen zurück', sagt die Erzählstimme einmal. Sie verwandeln sich dabei offenbar in andere. Es geht also gleichzeitig um die Transformationen von Bildern und ihrer Wahrnehmungsweisen. Das Laokoon-Kulturbild — durch Lessing als Exempel antikisch gebändigter Harmonie präsent — wird in Laura Molloy mit seinem Gegenteil konfrontiert, nämlich mit der ungebändigten Exaltation. 'Ständig geschehen hier Dinge', so resümiert die Erzählstimme, 'die gegen den strengen theatralischen Anspruch gehen.' Das beinhaltet nichts anderes als eine Absage an jede normative Ästhetik. Nicht von ungefähr bezeichnet sich eine der Bewohnerinnen des Landes als 'Poetin der permanenten Revolution', wobei der Begriff der Revolution hier signifikant ist. Revolutionen — so lautet offenbar die Botschaft von Ulrike Ottinger — ereignen sich nicht nur im Rahmen politischer Machtverhältnisse, sondern auch in bezug auf die Wahrnehmungsweisen.

Aus dieser Perspektive gewinnt der Gegensatz zwischen dem Laokoon-Bild und den Bildern des fremden Frauenlandes seine dialektische Bedeutung. Hier wird eine weibliche Gegenkunstwelt, eine Art feministisch-ästhetische Utopie entworfen [...]

 

 

Roswitha Mueller, in: ULRIKE OTTINGER: A RETROSPECTIVE, herausgegeben von den Goethe-Instituten USA und Kanada 1990

 

Ulrike Ottingers erster Film enthält bereits viele Elemente ihrer späteren Filme: eine außergewöhnliche Frau, eine ungewöhnliche Landschaft und eine Kette von magischen Transformationen, aus der eine Reihe exzentrischer Charaktere hervorgeht.