Ulrike OTTINGER > Ausstellungen > 2008 - Shanghai Biennale

7. Shanghai Biennale

Shanghai Biennale

Julian Heynen: Translocalmotion (Einführung aus den Katalog)

Ulrike Ottinger hat als bildende Künstlerin begonnen, ist jedoch spätestens seit den 80er Jahren als Regisseurin zahlreicher Filme international bekannt. Eine grundlegende Erfahrung für fast alle ihre Arbeiten ist die Spannung und der Transfer zwischen ortsfesten und wandernden Kulturen. Einem Collageprinzip folgend geht es ihr um die ununterbrochene Durchdringung des Selbst mit dem Anderen, wobei kulturelle, nationale und sexuelle Differenzen nur einige der Dimensionen sind, die sie berührt. "Ottinger macht ihre Filme an den Kreuzungspunkten zwischen dem Lesbaren mit dem nicht zu reduzierenden Visuellen, zwischen Erzählung und Tableau." (Laurence A. Rickels).

"Exil Shanghai" geht von fünf Interviews aus, die Ottinger mit jüdischen Emigranten aus Europa geführt hat, die in den 30er und 40er Jahren in Shanghai gelebt haben. In epischer Dimension verbindet sie die Erinnerungen dieser Menschen an ihr damaliges Leben mit historischen Dokumenten und Einblicken in den zeitgenössischen Alltag der Stadt. Der ruhige Fluss des Films kommt dem Prozess der Erinnerung selbst nahe, und der Wechsel der zeitlichen Perspektiven umkreist die Spannung zwischen Zugehörigkeit und Fremdsein, die das Leben von Emigranten prägt.

© Julian Heynen