Termin

F.W. MURNAU – Eine Hommage

25.10.2016 - 26.02.2017

Im Lenbachhaus München

 

Mit Filmessays von
Alexander Kluge
Ulrike Ottinger
Guy Maddin / Evan Johnson, Luc Lagier
Narges Kalhor / Jonas Neumann / Friedrich Rackwitz / Felicitas Sonvilla

 

 

Aloha

Ein Zauberwort der Südsee – damit wird man begrüßt oder verabschiedet, es kann Sympathie oder Liebe ausdrücken und wird gerne mit anderen Worten kombiniert, wodurch es ständig seine Bedeutung wechselt. Das Nahen eines Schiffes oder eines Fischzuges, der sich dem geübten Auge des Spähers durch das Kräuseln des Wassers schon lange vorher ankündigt, wird vom hoch in den Palmen befindlichen Ausguck mit dem lauten Ruf „Aloha" mitgeteilt.

Gesungen wird „Aloha“ zur unwiderstehlichen Verführung, der Maler – Paul Gauguin, Max Pechstein, Emil Nolde, Henri Matisse, Walter Spies –, die Ethnologin Margaret Mead und die Regisseure Flaherty und Murnau folgten. Der Vielfältigkeit des Wortes entspricht die facettenreiche künstlerische Formgebung, mit der Musiker, Literaten, Wissenschaftler, Maler und Filmemacher versuchten, die mannigfaltige Kultur der Südsee zu fassen. Sie alle schöpfen aus der reichen Quelle der dortigen Kulturen, in denen Tanz und Musik, Skulptur und Malerei, ja selbst die Flechtarbeiten und Gegenstände, die auch im Alltag verwendet werden, als Opfergaben für die Ahnen und Schutzgötter dienen.

Murnaus Sehnsuchtsort war Bali. So nannte er auch sein Schiff, mit dem er aufbrach, nicht nur, um Abstand von Hollywood zu nehmen, sondern um dort etwas Neues/Anderes zu finden, eine neue frische Liebe, die, wie er bemerken musste, schon längst von den Einflüssen einer Welt, der er entfliehen wollte, beschädigt war.

Die filmische Struktur von Aloha entwickelt sich aus Schichtungen und assoziativen Spielen mit ähnlichen Gesten in Murnaus Tabu und meinen Filmen, die Erstaunen, Begeisterung, Trauer oder Ekstase ausdrücken. Der Soundtrack meines Films entspricht nur punktuell dem Originalton; er ist den Bildern meist frei zugeordnet und arbeitet mit einem breiten Spektrum zusätzlicher Töne und Musiken, so dass eine neue Komposition von Ton und Bild entsteht. In Aloha wird die große Bedeutung des Tanzes - des epischen Tanzdramas - und der Musik betont. Selbst die Fischtreibjagd scheint einer kunstvoll rhythmischen Choreographie zu folgen.

In der Installation verweisen die geflochtenen Fächer, die im Tanz bewegt werden, sowohl auf den kultischen Hintergrund wie auch, bei den mit dem Wort ‚Tahiti‘ versehenen Exemplaren, auf eine Anfertigung für den frühen Tourismus der 1920er Jahre. Die Fächer stehen für die Zweischneidigkeit der Bedeutungen, so wie sich auch im Ruf „Aloha“ die Einladung in das Reich der Fantasie mit dem Abschied von den imaginierten Paradiesen vermischt.

(Ulrike Ottinger)

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