Taiga

Taiga beschreibt eine Reise zu den Yak- und Rentier-Nomaden im nördlichen Teil der Mongolei. Der Film führt uns in die Weite dieses von Schneebergen bekrönten Hochtales. Überall treffen wir auf animistische Opferstätten mit Stofffetzen und heilige Bäume mit Pferdeschädeln. Die Schamanen sind hier noch mächtig und begleiten ihre Schutzbefohlenen nicht nur bei Krankheit oder ins Herbst- und Sommerlager, sondern auch ins moderne Leben. 
Die Dramaturgie folgt nicht allein der Reise zu den beiden Völkern, sondern mit ihrer Hilfe auch der Reise zu ihrer eigenen Geschichte. In stolzen Selbstinszenierungen präsentieren sie sich während ihres Alltags, ihrer Feste, ihrer religiösen Riten. Und sie erzählen, wie es früher war, was verloren gegangen oder vergessen ist, was sich verändert hat. Die filmischen Bilder ergänzen und kontrastieren das Gesagte. Analog ihrer Erzählperspektive beginnt der Film bei den Nomaden in der Wildnis. Dann bewegt er sich zu den Blockhütten-Siedlungen, die heute als mongolisch-russische Handelsstationen fast funktionslos geworden sind. Und zuletzt endet die Reise im Freizeitpark der Stadt Ulaanbaatar, wo die Bewegung des Nomadisierens in einer Zementjurte, in der ein Epensänger den Kindern alte Legenden erzählt, zum Stillstand kommt.

 

Ulrike Ottinger