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En face - das Portrait in den Filmen und Fotografien von Ulrike Ottinger

[…] Unter dem Titel "En face - Das Portrait in den Filmen und Fotografien von Ulrike Ottinger" wurden vor allem zahlreiche mitunter äußerst faszinierende Fotografien versammelt, die in ihrer Perfektion weit jenseits eines während der Filmdreharbeiten gemachten Schnappschusses liegen. Immerhin hat sich die am Bodensee geborene - und heute in Berlin lebende - Künstlerin zwar vor allem mit ihren Filmen einen Namen gemacht.

Dessen ungeachtet zeugen jedoch auch ihre Fotoarbeiten von dem hohen ästhetischen Anspruch, den sie an ihr eigenes Schaffen legt. Mit einem Wort: Abbildungen aus Filmen wie "Bildnis einer Trinkerin" oder "Freak Orlando" sind mehr als sterile "Outtakes" - es sind eigene Fenster in eine abstrakte Welt gesellschaftlicher, geographischer oder historischer Randzonen. Denn dies vor allem fasziniert Ulrike Ottinger, seitdem sie im Paris der sechziger Jahre ihre Karriere als freischaffende Künstlerin begann. So interessieren sich ihre assoziierenden Streifzügen nur zu gerne für die Erforschung der Peripherien von Städten, Ländern und Gesellschaften. Vor diesem Hintergrund entfalten sich Glanz und Elend der Menschen, Realitäten und Scheinwelten, Oberflächen und Tiefen. Dass Ottingers Ästhetik hier einen skurrilen Hang zum Theatralischen und zur pervertierenden Überhöhung banaler existentieller Wirklichkeiten hat, kann unkundige Betrachter zwar im ersten Moment verwirren. Sobald jedoch die Botschaft hinzter dem Gezeigten klar wird, erschließt sich der Sinn auf verblüffende Weise.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Film "Superbia - Der Stolz", dessen absurd erscheinende Überzeichnung der ersten der sieben Todsünden eine wunderbare Persiflage auf die eingeschnittenen Realszenen aberwitziger Militärparaden darstellt, die - zumeist in sogenannten Bananenrepubliken - vor den Potentaten und Diktatoren vorbeidefilieren. Ganz ausgezeichnet wird hier die Absurdität der Realität vorgeführt - ein faszinierendes Schauspiel, das die Besucher der Ausstellungseröffnung ebenso zu begeistern wusste wie die diversen Portraits, die sie - Ulrike Ottinger ist vor allem auch eine leidenschaftliche Sammlerin des Augenblicks - auf ihren Flanierzügen durch die Welt fotografiert hat. "En Face" ist noch bis zum 18. Dezember in der Ursula Blickle Stiftung zu sehen. Das sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. 
Heiko P. Wacker, Willi - Bruchsaler Stadtmagazin 12/2005

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